Von unterwegs: Jugendkultur erleben, die ansteckt
Breaking, Rap, Graffiti, Beatbox und DJing mitten in Dresden: Im Rahmen unserer Kampagne „Urban Culture Connect – Jugendkultur verbindet“ haben wir gemeinsam mit Jugendlichen das HipHop-Areal des House of Urban Culture beim Dresdner Stadtfest besucht. Eine DemoCrazy-Aktion, die eindrucksvoll gezeigt hat, was Jugendkultur bewirken kann, wenn junge Menschen Räume, Vorbilder und eine starke Community finden.
Manchmal braucht es gar keinen Workshop und keine lange Erklärung. Manchmal reicht dieser eine Moment: Ein junger Mensch steht am Rand eines Breaking-Circles, beobachtet einen anderen bei einem unglaublichen Move und denkt plötzlich: Das will ich auch können! Genau solche Momente wollten wir mit unserem Ausflug nach Dresden ermöglichen.
Im Rahmen von „Culture for the DemoCRACY – Let’s get DemoCRAZY“, dem Auftaktprojekt unserer Kampagne Urban Culture Connect – Jugendkultur verbindet, machten wir uns deshalb gemeinsam mit Jugendlichen auf den Weg zum Dresdner Stadtfest. Unser eigentliches Ziel war schnell klar: das HipHop-Areal des House of Urban Culture Dresden. Dort trafen Breaking, Rap, Graffiti, Beatbox und DJ-Kultur aufeinander – nicht als bloßes Showprogramm, sondern als lebendige urbane Kultur.
Wenn aus Zuschauen Motivation wird
Besonders beeindruckend waren die jungen Tänzer:innen im Breaking-Circle. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von vielleicht acht bis zwanzig Jahren zeigten, was kontinuierliches Training, Leidenschaft und gegenseitige Unterstützung bewirken können. Dabei standen die Jüngsten den Älteren bei spektakulären Moves kaum nach – genauso wenig wie die Mädchen den Jungs. Alter oder Geschlecht rückten in den Hintergrund. Entscheidend waren Können, Mut, Kreativität und die Lust, sich auszuprobieren.
Genau hier liegt für uns eine besondere Qualität von Jugend(sub)kultur. Junge Menschen erleben Selbstwirksamkeit nicht theoretisch, sondern unmittelbar: Ich kann etwas lernen. Ich kann besser werden. Ich kann etwas Eigenes schaffen. Und ich kann Teil einer Gemeinschaft sein. Aus Beobachten wird Neugier. Aus Neugier wird Ausprobieren. Aus Ausprobieren vielleicht regelmäßiges Training. Man scheitert, probiert erneut, lernt voneinander, findet Anerkennung und irgendwann möglicherweise sogar die eigene Crew. Das ist informelles Lernen und kulturelle Bildung in einer Form, die junge Menschen aus eigener Motivation heraus erreicht.
Jugendkultur braucht Menschen, die sie möglich machen
Umso beeindruckender war für uns zu sehen, welche Strukturen rund um das House of Urban Culture, mit Felix Roßberg und The Saxonz und viele weiteren Engagierten in Dresden entstanden sind. Vor zwanzig Jahren waren Chemnitz, Bautzen die Pulsgeber, und auch Spremberg gehörte mit zu den bekannten Jams im ostdeutschen HipHop. Heute setzt Dresden Maßstäbe. Viel Aufbauarbeit die da geleistet wurde. Denn eine lebendige Szene entsteht nicht auf Knopfdruck. Sie braucht Menschen, die ihr Wissen und ihre Leidenschaft weitergeben. Sie braucht Orte zum Trainieren, Produzieren und Experimentieren. Sie braucht Netzwerke, Vertrauen und Freiräume – und natürlich braucht all das auch Ressourcen.
Genau hier setzt Urban Culture Connect an. Wir wollen urbane Jugendkultur in unserer Region nicht einfach „anbieten“. Wir wollen gemeinsam mit jungen Menschen Bedingungen schaffen, unter denen eigene Jugendkultur von unten wachsen kann: durch Begegnungen mit bestehenden Szenen, durch neue Netzwerke, durch eigene Räume und vor allem durch die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden.
Unser Motto #krasswasmachen ist deshalb durchaus ernst gemeint. Wir wollen gemeinsam mit jungen Menschen Dinge ausprobieren, Ideen ermöglichen und langfristig dazu beitragen, dass Jugend(sub)kultur wieder stärker als selbstverständlicher Bestandteil von Lebensqualität in Spremberg/Grodk und der Lausitz wahrgenommen wird.
Demokratie braucht Räume für Selbstwirksamkeit
Dass dieser Ausflug als DemoCrazy-Aktion stattfinden konnte, ist kein Zufall. Jugendkultur und Demokratiebildung gehören für uns zusammen. Demokratie beginnt auch dort, wo junge Menschen erfahren, dass ihre Ideen zählen, dass sie öffentliche und kulturelle Räume mitgestalten können und dass gesellschaftliche Vielfalt nicht nur besprochen, sondern gemeinsam erlebt wird. Deshalb wird „Culture for the DemoCRACY – Let’s get DemoCRAZY“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und der lokalen Partnerschaft für Demokratie Spremberg/Grodk unterstützt.
Dafür sagen wir: Danke!
Ein ebenso großes Dankeschön geht an die Stiftung SPI und das Mehrgenerationenzentrum Bergschlösschen, die unsere Fahrt unterstützt und begleitet haben. Diese Zusammenarbeit hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir Jugendlichen diese Erfahrung ermöglichen konnten. Denn auch das gehört zu Urban Culture Connect: Netzwerke nicht nur fordern, sondern leben.
Der Samstag in Dresden hat dafür einiges in Bewegung gebracht. Alte Kontakte wurden neu belebt, neue Ideen sind entstanden und spätestens auf der Rückfahrt war klar: Das war nicht einfach nur ein schöner Ausflug. Das war Inspiration für das, was wir gemeinsam in der Lausitz aufbauen wollen. Denn Jugendkultur kann man nicht verordnen. Aber man kann Räume schaffen, Menschen zusammenbringen, Ideen unterstützen und jungen Menschen zutrauen, daraus selbst etwas Großes zu machen.


